Traditionen in Aschheim
Maibaum
Die Tradition des Maibaumaufstellens geht nachweislich bis in das 16. Jahrhundert zurück. Im Maibaum fand und findet der Zusammenhalt und auch der Wohlstand eines Dorfes einen sichtbaren Ausdruck.
Traditionsgemäß wird auch in Aschheim und Dornach alle 5 Jahre abwechselnd nach bayerischem Brauchtum ein neuer Maibaum durch die Freiwillige Feuerwehr aufgestellt und mit einem gebührlichen Festakt gefeiert.
Schäfflerzunft Aschheim
Vor über 120 Jahren führten 20 junge Burschen aus Aschheim erstmals den Schäfflertanz nach Münchner Vorbild in Aschheim auf. Wie es dazu kam, ist heute nur mehr aus Erzählungen unserer Väter und Großväter bekannt.
Eine dieser Erzählungen besagt, dass Mathias Westermeier aus Hausen als gelernter Metzger beim Kreuzwirt in München arbeitete. Der Kreuzwirt war damals das Stammlokal der Münchner Schäffler. Dort lernte er den Schäfflertanz kennen, der ihn sehr beeindruckte. Nachdem seine Schwester Magdalena Schreiber und ihr Mann 1876 den Aschheimer Schreiberhof gekauft hatten, wechselte Mathias im Jahr 1880 zu seiner Schwester nach Aschheim. Auch sein Bruder, Franz Westermeier, kam zu dieser Zeit nach Aschheim. Die beiden Brüder beschlossen den Münchner Schäfflertanz auch nach Aschheim zu holen und erhielten Unterstützung durch Magdalena und ihren Mann. Nachdem sich genügend junge Männer für eine Tanzgruppe zusammengefunden hatten, konnte der Tanz unter Anleitung von Mathias Westermeier einstudiert und das erste Mal 1886 aufgeführt werden. Mathias Westermeier hatte dabei das Amt des Vorstandes, des Reifenschwingers und des Vortänzers inne.
Beherbergt waren die Aschheimer Schäffler von 1886 bis 1963 im Gasthof Schreiber. Von 1970 bis 1998 war die Schäffler-Herberge die Gaststätte Bichler. Für die Jahre 2005 und 2012 haben sich die Wirtsleute Bichler (Münchner Hof), die Familie Lindinger (Hotel Gasthof zur Post) sowie die Familie Haller (Hotel Gasthof Schäfflerwirt) gerne bereit erklärt, die Schäfflerzunft Aschheim zu beherbergen und zu unterstützen.
Die Kleidung des Schäfflers
Grüne Schlegelkappe mit Silberborte und weiß-blauer Feder.
Rote Joppe mit silberner Borte und Knöpfen.
Die Joppen der Vorstände, Reifenschwinger und Vortänzer haben zwei Borten.
Weißes Hemd mit schwarzer Schleife.
Weiße Weste mit von rechts oben nach links unten verlaufendem Pestband.
Weiße Handschuhe, schwarze Bundhose, weiße Strümpfe.
Lederschaber, der über der Bundhose getragen wird, mit zwei roten Schärpen.
Auf der einen Schärpe ist das Wappen der Aschheimer Schäffler, auf der anderen
Schärpe ist das Aschheimer Wappen abgebildet.
Schwarze Haferlschuhe mit Spange.
Ursprung des Münchner Schäfflertanzes
Der Legende nach entstand der Schäfflertanz im Jahr 1517, als in München die Pest auf grauenhafte Weise wütete und tausende von Bürgern starben. Alles schwebte in furchtbarer Todesangst; alle Häuser und Läden waren geschlossen. Die Bauern trauten sich nicht in die Stadt und es trat ein großer Mangel an Lebensmitteln ein. Das Elend hatte die höchste Stufe erreicht und selbst nach dem Verschwinden der Pest wagte sich lange Zeit niemand aus dem Hause, alles Leben stockte.
Da kam ein einsichtsvoller Bürger auf den Gedanken, statt zu jammern und wehzuklagen, die Menschen durch ein lustiges Schauspiel aufzuheitern. Dieser Bürger gehörte zur Zunft der "Schäffler", also der Böttcher oder Fassmacher, an. Eines Tages erscholl auf einmal fröhliche Musik in den Straßen. Die Menschen eilten an die Fenster: Schäffler zogen zum Marktplatz, wo sie mit grünbelaubten Reifen einen Rundtanz aufführten. Alles strömte aus den halb ausgestorbenen Häusern dem Zuge nach und lachte herzlich. Viele waren gestorben, manche aber, von denen der eine den anderen längst tot glaubte, trafen sich. Bald wurde es wieder lebhaft in den Straßen. Die Schäffler hatten hiermit ihr Ziel erreicht.
Nach den Recherchen der Münchner Schäffler wird der Münchner Schäfflertanz erstmals 1702 in den Archiven der Stadt München erwähnt. In den Jahren 1730, 1746 und 1749 fanden nachweislich feste Tänze statt. Seit 1760 wird der Schäfflertanz alle sieben Jahre aufgeführt. In diesem Jahr ist der 7-jährige Turnus in den kurfürstlichen Kabinettsrechnungen nachweisbar. Ganz sicher hat sich der Münchner Schäfflertanz in der langen Zeit seines Bestehens in der Choreographie und in der Kleidung der Tänzer mehrmals verändert. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Schäfflertanz in der heutigen Form konzipiert und von dem königlichen Hoftänzer Reithmeier einstudiert (Auszug aus der Entstehungsgeschichte verfasst von den Münchner Schäfflern).
Warum wird der Schäfflertanz alle sieben Jahre aufgeführt?
Hierzu gibt es mehrere Vermutungen:
- In früherer Zeit soll alle sieben Jahre die Pest verstärkt aufgetreten sein.
- In der Mythologie gilt die Zahl sieben als Glückszahl.
- Neben dem Schäfflertanz gab es früher in München noch mehrere Handwerksbräuche wie z.B. den Metzgersprung. Man nimmt an, dass die Schäffler nach einem bestimmten Zeitplan der Zünfte eingesetzt wurden.
- Aus Dankbarkeit gab Herzog Wilhelm IV. damals den Schäfflern das Recht, alle sieben Jahre ihren Tanz aufzuführen.
Hintere Reihe (v. l. n. r.):
Johannes Binsteiner, Anton Straßer, Julian Hobmeier, Christian Hobmeier, Kilian Köstl, Timo Theiss, Valentin Ertl, Jonah Köstl, Simon Körner
Mittlere Reihe (v. l. n. r.):
Maximilian Pieringer, Elias Gross, Vitus Böltl, Stefan Bichler (Vorstand), Emmeran Haller (Vorstand), Andreas Weiß (Vorstand), Benedikt Hedinger, Sebastian Halbritter, Simon Baumgärtel
Vordere Reihe (v. l. n. r.):
Quirin Böltl, Maximilian Böltl (Vortänzer), Anton Roider, Rudolf Ertl (Reifenschwinger), Maximilian Weiß (Reifenschwinger), Christoph Dönhuber (Reifenschwinger), Valentin Pieringer, Max Stilling (Vortänzer), Felix Butscher, Matthias Hanslbauer
Vorne liegend (v.l.n.r.):
Dominik Ertl (Kasperl), Benedikt Sassmann (Kasperl)



