Gemeinde Aschheim

Seitenbereiche

Jahreszeit wählen

Veranstaltungen
Navigation

Seiteninhalt

Fundstück für den Monat September: Erbstück oder Fundstück?

Bei dem heutigen Fundstück handelt es sich um eine so genannte Zwiebelknopffibel aus vergoldeter Bronze. Das ist eine Gewandspange, die nach der Form der an Zwiebeln erinnernden Knopfenden ihren Namen bekam. Normalerweise besitzt sie immer drei solcher Enden, doch in unserem Fall ist der Zwiebelknopf an der Spitze verloren gegangen, man sieht lediglich das Loch, in dem er ursprünglich eingezapft war. Dabei handelt es sich um eine römische Fibelform der zweiten Hälfte des 4. – frühen 5. Jahrhunderts, die Soldaten oder anderen Amtsträgern der römischen Militär- oder auch Zivilverwaltung verliehen wurde. Doch fand sich diese Fibel keineswegs im Bereich einer römischen Fundstelle, sondern in einem Kindergrab aus dem frühen 6. Jahrhundert, das im Jahr 2001 nahe des Wasserturms in Aschheim gefunden worden war. Damit gilt sie als Altstück – aber was heißt das eigentlich? Wie kam ein Knabe im 6. Jahrhundert an eine 100-150 Jahre alte Gewandspange? Im Grunde sind zwei Szenarien denkbar: entweder er hat sie geerbt oder sie wurde gefunden. Leider klafft genau für die Zeit zwischen der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts und der Zeit um 500 eine Fundlücke hier in Aschheim – wir wissen also nicht, ob in dieser Zeit überhaupt jemand hier siedelte. Falls es sich also um ein Erbstück handelte, dürfte die Familie des Knaben dieses von woanders mitgebracht haben. Doch gut möglich, dass der Knabe die Fibel auch auf dem Acker fand. Im Sommer 2018 wurden Gräber aus der Mitte des 4. Jahrhunderts freigelegt - zu dieser Zeit lebten hier noch Angehörige des Römischen Reichs.

Bisherige Fundstücke des Monats:

Fundstück für den Monat August: Eine verzierte Gewandnadel

Sie war und ist ein echtes Schmuckstück – diese stark verzierte bronzene Nadel. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Lochhalsnadel mit Petschaftkopf aus dem Beginn der mittleren Bronzezeit, also der Zeit ca. um 1600-1500 v. Chr. Damals kannte man noch keine Fibeln (Gewandspangen), so verschlossen Frauen, die sich eine solche Nadel leisten konnten ihr Oberkleid mithilfe einer Nadel. Um das Farbenspiel zwischen Stoff und ursprünglich golden glänzender Bronzenadel möglichst effektvoll einsetzen zu können war der Nadelschaft gewellt. So konnte die Nadel mehrfach durch den Stoff gefädelt werden und gut und sicher halten. Als weitere Sicherung gegen Verlust besaß sie im oberen Drittel ein Loch – hier war sie wohl an der Kleidung angenäht. Feine Verzierungen auf dem flachen Nadelkopf, Kreise im oberen Teil des Nadelschaftes und Profilierungen entlang des gewellten Teils der Nadel gestalten das Schmuckstück vielfältig. Das Grab der Frau, aus dem sie stammt, war innerhalb eines Kreisgrabens angelegt worden, der einen Grabhügel einfasste. Dieses Grab wurde im Sommer 2018 im Bereich der Erweiterung des Bauma-Parkplatzes ausgegraben. Für Aschheim ist diese Nadel ein besonderer Gewinn, denn bislang waren keine sicher in die mittlere Bronzezeit datierenden Funde bekannt. Mit der Nadel und ein paar anderen Hinweisen wird nun klar, dass der Aschheimer Raum in der Bronzezeit durchgehend besiedelt war.

Fundstück für den Monat Juli: Ein Kamm aus Geweih

Dieser wertvolle Kamm mitsamt einem Futteral fand sich als Beigabe in einem Frauengrab der Mitte des 6. Jahrhunderts im frühmittelalterlichen Gräberfeld von Aschheim-Bajuwarenring. Gefertigt wurde er aus mehreren Platten, die aus den massiveren Partien eines Rothirschgeweihs gesägt waren. Sechs derartige Platten richtete der Kammmacher auf gleiche Größe zu, Schnitt aus den äußeren Platten Muster aus und passte sie Seite an Seite an. Mittig über die Platten legte er längliche Griffleisten, die durch Eisenniete verbunden, die Platten zusammen hielten. Aus diesem Basisstück sägte er nun die Zähnung heraus, wie kleine Einschnitte in den Griffleisten des Kamms belegen. Neben der groben Zähnung, die sich problemlos zum Haare kämmen eignet, sitzt auf der gegenüberliegenden Seite eine sehr feine Zähnung. Diese diente weniger der Haarordnung, sondern dem Auskämmen von Kopfläusen und Nissen. Mit dieser Kopfplage hatte man im frühen Mittelalter wohl häufig zu kämpfen. Da aber der Verlust der Haare durch Abschneiden oder gar eine Rasur des Kopfes auch bei Männern eine große Schande darstellte, musste man diesen Tierchen durch Auskämmen beikommen!
Der Kamm war durch eingeritzte Muster verziert, die wahrscheinlich noch durch Holzkohle schwarz gefärbtes Wachs betont wurden. Hier ist die Verzierung aus Halbkreisen und Punkten nur noch schwach auf den Resten des Futterals zu sehen, das den Kamm vor dem Ausbrechen einzelner Zähne schützen sollte.

Fundstück für den Monat Mai: Eine frühmittelalterliche (Bier?)Kanne

Die gehenkelte Kanne fand sich als Grabbeigabe zu Füßen einer etwa um 600 n. Chr. verstorbenen Frau, die im Gräberfeld am Aschheimer Bajuwarenring beerdigt worden war. Dabei dürfte es weniger das Gefäß gewesen sein, das die Angehörigen der Verstorbenen mitgeben wollten, sondern eher dessen Inhalt. Solche Kannen dienten – wie heute auch noch – als Schankgefäße für Getränke. Die Beigabe von Speisen und Getränken ist im Südbayern des 6. und 7. Jahrhunderts allerdings eher selten zu beobachten, häufiger findet man diesen Brauch nördlich der Donau, in Südwestdeutschland und am Rhein. Betrachtet man die Kanne genauer, so fällt auf, dass es sich um ein auf der Drehscheibe gefertigtes Produkt von hoher Qualität handelt. Solche Keramik steht in spätrömischer Tradition und wurde im fränkischen Raum – z.B. im Rhein-Maingebiet hergestellt, nicht in Bayern. In Aschheim handelt es sich demnach um ein Importstück und war hier genauso fremd, wie der Brauch der Getränkebeigabe. Leider lässt sich nicht mehr feststellen, was sich in der Kanne befand. Da es sich für die Verstorbene sicher um ein besonderes Gefäß gehandelt hat, dürfte sie wohl auch mit einem besonderen Getränk gefüllt gewesen sein. Denkbar wären hier entweder Wein oder durchaus auch Bier – und das wäre dann gar nicht mehr so fremd.

Die gehenkelte Kanne fand sich als Grabbeigabe zu Füßen einer etwa um 600 n. Chr. verstorbenen Frau, die im Gräberfeld am Aschheimer Bajuwarenring beerdigt worden war. Dabei dürfte es weniger das Gefäß gewesen sein, das die Angehörigen der Verstorbenen mitgeben wollten, sondern eher dessen Inhalt. Solche Kannen dienten – wie heute auch noch – als Schankgefäße für Getränke. Die Beigabe von Speisen und Getränken ist im Südbayern des 6. und 7. Jahrhunderts allerdings eher selten zu beobachten, häufiger findet man diesen Brauch nördlich der Donau, in Südwestdeutschland und am Rhein. Betrachtet man die Kanne genauer, so fällt auf, dass es sich um ein auf der Drehscheibe gefertigtes Produkt von hoher Qualität handelt. Solche Keramik steht in spätrömischer Tradition und wurde im fränkischen Raum – z.B. im Rhein-Maingebiet hergestellt, nicht in Bayern. In Aschheim handelt es sich demnach um ein Importstück und war hier genauso fremd, wie der Brauch der Getränkebeigabe. Leider lässt sich nicht mehr feststellen, was sich in der Kanne befand. Da es sich für die Verstorbene sicher um ein besonderes Gefäß gehandelt hat, dürfte sie wohl auch mit einem besonderen Getränk gefüllt gewesen sein. Denkbar wären hier entweder Wein oder durchaus auch Bier – und das wäre dann gar nicht mehr so fremd.

Fundstück für den Monat April: Im Brunnen versenkt

Bei diesem kleinen Becher handelt es sich um ein wunderschön komplett erhaltenes Stück der frühen römischen Kaiserzeit, aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Er wurde auf der Drehscheibe hergestellt und sehr kontrolliert und hart gebrannt. Obwohl es sich hierbei wahrlich nicht um das beste Geschirr am römischen Töpfermarkt handelte, findet sich Ware dieser Qualität in Südbayern erst im späten Mittelalter wieder. Zwischenzeitlich war entweder das Wissen um diese Herstellung verloren gegangen oder man legte einfach andere Maßstäbe an die Ware.
Der kleine Trinkbecher fand sich in den Ablagerungen am Boden des 2013 in der Akazienstraße ausgegrabenen Brunnens mit teilweise erhaltener, hölzerner Brunnenverschalung. Dank der Holzerhaltung weiß man heute, dass der Brunnen zwischen 28 und 35 v. Chr. gebaut wurde. Da kaum Reparaturen feststellbar waren und man bei derartigen Brunnen aus Eichenholz von einer Lebensdauer von maximal 30 Jahren ausgeht, muss der Becher während der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts oder um dessen Mitte dort hineingestürzt sein. Man kann sich vorstellen, der Besitzer hatte ihn am Brunnenrand abgestellt, um sich mit dem geschöpften Wasser zu erfrischen. Ein Augenblick der Unaufmerksamkeit könnte dann dazu geführt haben, dass er von der Brüstung in den Brunnen fiel. Glücklicherweise landete er jedoch so, dass er ganz und damit bis heute erhalten blieb.

Fundstück für den Monat März: Eine frühmittelalterliche Ahle

Eine Ahle oder auch ein Pfriem sind Werkzeuge die vor allem im Bereich der Lederverarbeitung benutzt werden. Mit einer Ahle sticht man zum Beispiel die Löcher einer Naht vor, die man im Anschluss mit Nadel und Faden zusammenfügt. Solche Werkzeuge gibt es bereits seit der Altsteinzeit. Früher waren sie aus Geweih, später dann aus Bronze und seit der Eisenzeit aus Eisen. In den meisten Fällen erhält sich lediglich der eiserne Einsatz der Ahle, der Griff war sehr häufig aus Holz und verging somit normalerweise über die Zeit.
Die hier gezeigte Ahle stammt aus einem Grubenhaus, das 2012 im Bereich der Ostspange ausgegraben wurde. Das Grubenhaus lag inmitten einer Vielzahl archäologischer Strukturen, die die letzten Zeugnisse des östlichen Ortsgebiets von Aschheim aus dem 6.-9. Jahrhunderts darstellten. Aufgrund der mit der Ahle zusammen aufgefundenen Keramik dürfte das Grubenhaus in das 7. Jahrhundert datieren. Grubenhäuser sind Arbeitshäuser, die nach Ausweis der in ihnen vorgefundenen Objekte entweder zur Textil-, Geweih-, Eisen- oder Lederverarbeitung genutzt wurden. Möglicherweise dienten sie auch als Werkstätten für mehrere Handwerke. Die Ahle verweist auf einen Lederverarbeiter, vielleicht einen Schuster, der hier tätig war. Erfreulicherweise war diese Ahle mit einem Griff aus Geweih versehen, der im hinteren Viertel feine geritzte Verzierungen aufweist. Aus diesem Material blieb er erhalten und mit ihm ein sehr schönes Beispiel eines frühmittelalterlichen Werkzeugs.

Fundstück für den Monat Februar: Ein Anhänger mit Münzabdruck

In gut ausgestatteten Frauengräbern des frühen Mittelalters (5.-8. Jahrhundert) finden sich immer wieder römische, ostgotische oder auch byzantinische Münzen, die, gelocht oder geöst, als Schmuck getragen wurden. In einigen Fällen arbeitet man dafür gar keine Münze um, sondern prägte ostgotische oder byzantinische Münzbilder lediglich einseitig als Abdruck in Goldanhänger. So auch im hier gezeigten Exemplar eines Anhängers aus einem Frauengrab des Aschheimer Gräberfeldes am Bajuwarenring. Der Anhänger zeigt die Vorderseite eines byzantinischen Solidus – der damals gängigen Goldmünze von 4,5 Gramm Gewicht – aus der Zeit zwischen 527-565 n. Chr. mit dem Kaiserportrait von Justinian I. Der Kaiser wird mit Diadem auf dem Kopf und reich verziertem Obergewand dargestellt. Um das Bildnis herum verläuft die Inschrift: D N JUSTINIANUS P P AUG. DN steht für lateinisch Dominus Noster (unser Herr) und ist eine Ehrenformel für den Kaiser, ebenso wie das PP = Per petuus (fortwährend) und AUG = Augustus (der Erhabene – ist die römische Bezeichnung für den Kaiser). Dadurch wird deutlich gemacht, wessen Bild hier dargestellt ist und auch wer für den Wert der Münze birgt. Als Münzabdruck steht aber wohl eine andere Bedeutung im Vordergrund – die Verehrung des christlich byzantinischen Kaisers. Ob dies allerdings bereits im Zusammenhang mit einem christlichen Glauben der Trägerin verstanden werden kann ist unsicher. Schmuck dieser Art war im späten 6. und frühen 7. Jahrhundert sehr beliebt und weit verbreitet, weshalb es auch möglich ist, dass sie Dame lediglich einer Mode gefolgt ist.

Fundstück für den Monat Januar: Ein besonderes Bügelfibelpaar

Bügelfibeln sind Gewandschließen des frühen Mittelalters und waren etwa vom 5. bis frühen 7. Jahrhundert in Mode. Die Vorderseiten dieser Schließen bestehen aus zwei flacheren Zierflächen, die mit einem Bügel verbunden sind, daher der Name „Bügelfibel“.
Dieses Paar stammt aus dem Grab eines Mädchens, das bereits im Alter zwischen 7 und 11 Jahren verstarb und auf dem großen Gräberfeld beerdigt wurde, das zwischen 1997 und 1998 am heutigen Aschheimer Bajuwarenring ausgegraben worden war. Für das frühe 6. Jahrhundert typisch lagen die Fibeln nicht an der Hüfte oder parallel zu den Oberschenkeln, sondern im Bauchbereich. Hier dienten sie entweder dem Verschluss eines Überkleides oder auch einer gürtelähnlichen Scherpe. Die Fibeln sind aus Silber gegossen und feuervergoldet. Die feinen schwarzen Dreiecke am Rand führte der Feinschmied in aufwendiger Niello-Technik aus. Hierbei wird ein Metallpulver hergestellt, in die Vertiefungen des Metalls gerieben und über Feuer eingeschmolzen. Solch aufwendige Schmuckstücke trug nicht jede Frau im damaligen Aschheim und schon gar nicht jede so junge Frau. Unsere Dame dürfte daher einer wohlhabenden Familie entstammen, die darauf achtete, dass auch im Tod der Status der Verstorbenen deutlich wird. Die Gestaltung der Fibel mit einem Widder-ähnlichem Tierkopfende und der vorderen Platte mit den beiden Durchbrüchen auf den Seiten verweist auf eine eher östliche Formtradition, die in ähnlicher Weise auch in Mitteldeutschland zu finden ist. Da derartige Stücke inzwischen aber auch in Süddeutschland recht häufig vorkommen ist man heute mit der Bezeichnung „thüringische Fibel“ etwas vorsichtiger geworden. Denn wo die Werkstätten für derartige Schmuckstücke sich befanden weiß man leider nicht.

Fundstück für den Monat Dezember: Aschheim 1898

Das Bild zeigt eine der ersten Fotopostkarten Aschheims aus dem Jahr 1898. Ältere Postkarten trugen keine Fotographien, sondern meist kolorierte Lithographien. Postkarten oder genauer gesagt Ansichtskarten kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf, erlebten ihren Aufschwung aber erst gegen Ende des Jahrhunderts. Durch den Ausbau der Eisenbahn war der Posttransport bedeutend schneller und günstiger geworden. Aber auch das Reisen wurde erheblich erleichtert und Ausflüge auf´s Land für die Stadtbevölkerung durchaus populär. Dies reizte dazu, aus den besuchten Orten eine „Gruß aus…“ Karte zu schicken, auf der der Ort mit wenigen Bildern charakterisiert wurde. Dabei ist es durchaus interessant, welche Ansichten und Gebäude die ersten Gestalter dafür auswählten. Häufig sind es die Kirchen, Schulen, Wirtshäuser und die Hauptstraßen, die hier erwählt wurden. Auch bei der Aschheimer Karte ist dies der Fall: links die Kirche St. Peter und Paul, mittig der „Schuster Wirt“, das Gasthaus Münchner Hof. Bei der Kirche handelt es sich noch um den spätgotischen, um 1480 errichteten Bau, der in den Jahren 1936/37 bis auf den Chorbereich abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde.
Mehr über die Geschichte der Aschheimer und Dornacher Höfe sowie charakteristische alte Ansichten derselben finden Sie in dem 2017 erschienenem Buch: Aschheim und Dornach in Bildern. Erhältlich in der Gemeinde (Kasse) und in der Bücherei zum Preis von 19,90 €. Ein ideales Weihnachtsgeschenk!

Fundstück für den Monat November: Ein frühbronzezeitlicher Spiraltutulus

Dieser etwas sperrige Name beschreibt ein rundes, mittig leicht kegelförmig hochgezogenes Objekt, das aus einem eingerollten Kupfer- oder Bronzedraht besteht. Es stammt aus einem der sechs Gräber der frühen Bronzezeit (ca. 2200-1800 v. Chr.), die im Sommer diesen Jahres im Aschheimer Gewerbegebiet südlich der Klausnerstraße aufgedeckt wurden. Dabei handelte es sich um zwei Frauen, drei Männer und ein Kind, die hier vor 4000 Jahren ihre letzte Ruhe fanden. Es könnte sich um Mitglieder einer kleinen Familiengruppe handeln, die in den nahegelegenen Häusern gelebt hatte, deren Grundrisse ebenfalls aufgedeckt werden konnten.  Eine der beiden Frauen trug während ihrer Bestattung eine Bekleidung mit aufgenähten Bronzeblechröhrchen, Bronzehütchen und ursprünglich wohl mehreren solcher Tutuli. Übrig blieb von diesen jedoch nur eines, denn relativ bald nach ihrer Bestattung holten sich Grabräuber einen Teil der wertvollen Gegenstände wieder.  Ähnliche Funde mit gut erhaltenen organischen Resten der Bekleidung von anderen Fundorten zeigten, dass solche Tutuli mithilfe von Schlaufen in der Oberbekleidung der Frau eingedreht und so befestigt gewesen waren. Bedenkt man die ursprünglich rötlich-goldene Farbe der Kupferbronze und stellt sich einen ledernen Umhang vor, dann war das schon eine relativ auffallende Oberbekleidung, die an manch eine Modeausprägung der 1980er Jahre erinnern könnte…

Fundstück für den Monat Oktober: Ein prächtiger Gürtel des frühen 8. Jahrhunderts

Er ist kein Neufund, aber unbedingt beachtenswert: der prächtige Gürtel aus dem Grab eines besonderen Herrn, das bereits 1996 beim Bau des Kreisels Richtung Kirchheim aufgedeckt worden ist. Dieser Gürtel bestand aus einer eisernen Schnalle, die einen rechteckigen Beschlag besitzt, an dem der Lederriemen befestigt war. Mondförmige und dreieckige Beschläge dienten als Zieraufsätze des Gurtes. An ihnen waren teilweise auch schmalere Lederfortsätze befestigt. An jedem Ende dieser Nebenriemen befand sich eine kleine mit Messing und Silberdraht in Einlegearbeit verzierte Riemenzunge. Der Gürtel verschloss ein Gewand, dessen golddurchwirkte Borte den Herrn als zur damaligen Oberschicht gehörig ausweist – vielleicht war er eine Art früher Adliger.
Das Grab gehörte zu einer kleinen Gruppe, die nicht mehr auf dem Gräberfeld am heutigen Bajuwarenring beerdigt wurde, sondern vermutlich direkt neben der damaligen Dorfstraße. Dies verwundert, denn zu dieser Zeit – um 720/30 n. Chr. – würde man einen solch noblen Herrn an der bereits seit mehr als 100 Jahren bestehenden Aschheimer Kirche erwarten. Ob seine Familie dort nicht bestatten durfte oder es bewusst nicht wollte, können wir heute leider nicht mehr sagen. Sicher ist aber, dass dieser Herr ein Entscheidungsträger im damaligen Ortsgeschehen war und es derer wohl mehr als einen im damaligen Aschheim gab.


Fundstück für den Monat September: Neufunde: Spätrömische Gräber

Bereits Anfang August fanden westlich der Radebergerstraße in Aschheim archäologische Ausgrabungen im Vorfeld der Bauerschließung statt. Gerechnet wurde hier mit Siedlungsspuren aus dem frühen Mittelalter (5.-8. Jahrhundert). Es kam allerdings ein wenig anders: neben ein paar Pfostengruben und der Spur eines flachen Grabens fanden sich sechs Körpergräber aus der Zeit des 4. Jahrhunderts. Aus dieser spätrömischen Zeit sind bislang in Aschheim nur spärliche Funde bekannt, weshalb die Gräber eine echte Bereicherung darstellen. Es handelt sich um Männer und Frauen, die auf dem bereits 2006 am Heimstettner Weg ausgegrabenen Landgut gelebt haben könnten. Unter diesen Gräbern befand sich auch dasjenige des hier gezeigten Mannes, der eine ungewöhnliche Totenbehandlung erfahren hatte. So war sein Grab wohl kurz nach der Bestattung noch einmal geöffnet, sein Schädel vom Hals getrennt und auf den Bauch gelegt worden. Eine Enthauptung zu Lebzeiten scheint aufgrund der fehlenden Hackspuren an den Wirbeln eher unwahrscheinlich, ist aber momentan noch nicht ganz auszuschließen. Ursprünglich besaß der Herr einen Umhang, der auf der Schulter mit einer bronzenen Fibel verschlossen war und einen Gürtel mit bronzener Schnalle. Die Fibel fand sich allerdings zwischen seinen Beinen (Foto) und seine Gürtelschnalle zu den Füßen. Weiterhin war dem Toten eine Katze oder ein kleiner Hund in die Grabgrube gelegt worden. Eine solche Totenbehandlung ist für die spätrömische Zeit unüblich und gibt momentan noch einige Rätsel auf.


Fundstück für den Monat Juli: Die Dornacher Gemeindemedaille

Vor 40 Jahren kam Dornach zu Aschheim. Vormals eine eigenständige Gemeinde, hatte Dornach bereits 1937 seinen Ortsteil Riem an München verloren, da die Stadt ihn im Zuge des Flughafenbaus beanspruchte. In den 1970er Jahren beschloss die Staatsregierung eine Gebietsreform um größere und effektivere Verwaltungsstrukturen zu schaffen. Ein Teil dieser Maßnahme war die Zusammenlegung kleinerer Gemeinden zu größeren Einheiten. Zunächst war dabei angedacht Dornach nach München einzugemeinden, was heftigen Widerstand auslöste. Schließlich wollte Dornach ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf bleiben und nicht in die städtische Entwicklung einbezogen werden, wie sein ehemaliger Ortsteil Riem.  Als weitere Lösung diskutierte man die Zusammenlegung mit Aschheim. Doch freiwillig wollten die Dornacher ihre Selbstständigkeit nicht aufgeben und wehrten sich auch mit juristischen Mitteln. Dennoch ordnete die Staatsregierung am 1.Mai 1978 die Zusammenlegung mit Aschheim an. Als Ausdruck der Enttäuschung über diesen Vorgang ließ die Gemeinde Dornach für jeden ihrer Bürger eine solche Medaille prägen und verteilte sie an alle Haushalte. Im Rahmen des 40 jährigen Jubiläums dieses Ereignisses ist eine Medaille nun auch im AschheiMuseum zu sehen.
Schlecht erging es den Dornachern jedoch bei Aschheim nicht - in einem freiwillig geschlossenen Eingemeindungsvertrag machte Aschheim ihnen weitgehende Zugeständnisse, so durften sie ihren Ortsnamen, das Bürgerhaus, die dörfliche Struktur sowie die Feuerwehr und die Sportvereine behalten.


Fundstück für den Monat Juni: Ein geflicktes Kesselchen

Dieser kleine, nur etwa 13 cm hohe Kessel, fand sich in der Verfüllung eines frührömischen Brunnens an der heutigen Akazienstraße. Er wurde 2006 bei Ausgrabungsarbeiten im Vorfeld der Errichtung heute hier stehender Häuser gefunden. Der Brunnen gehörte zum Außenbereich eines römischen Landgutes, das sich vermutlich im Bereich der heutigen Hofstattstraße befand. Da im Norden von Aschheim das Grundwasser bis in die 1920er Jahre sehr hoch und der Brunnen recht lehmig verfüllt war, konnten sich einige Hölzer seiner Kastenkonstruktion erhalten. Mithilfe der Jahrringdatierung  dieser Hölzer zeigte sich der Zeitpunkt seiner Errichtung etwa um 30 n. Chr.  womit er zu den ältesten Spuren der römischen Zeit aus dem Aschheimer Raum gehört. Das Kesselchen war aus Bronze getrieben und besaß zwei Attaschen um einen Henkel zu befestigen.  Eigentlich bevorzugten die Römer zu dieser Zeit gegossenes Bronzegeschirr. Ein getriebenes Kesselchen dürfte daher eher für die Herstellung in einem einheimisch-keltischen Umfeld sprechen und liefert damit einen Hinweis auf das Fortbestehen eben dieser Bevölkerung unter dem neuen, römischen Kultureinfluss. Zahlreiche Flickstellen am Boden des Kesselchens bezeugen eine lange Nutzung des wohl geschätzten Gefäßes. Eine der beide Attaschen war abgerissen – vielleicht war dies der Grund, warum es im Brunnen landete: Beim Wasserschöpfen riss der Henkel und das Kesselchen war im Brunnen verloren.

Fundstück für den Monat Mai: Ein Lunulaanhänger aus der Kupferzeit

Er ist klein und etwas unscheinbar und doch steckt hinter unserem etwa 3 cm langen Anhänger vermutlich eine tiefe Symbolik. Leider begreifen wir sie bislang noch nicht wirklich. Der Anhänger wurde aus Geweih gefertigt, trägt fein geritzte Strichmuster und ist mittig durchbohrt. Den Abnutzungserscheinungen im Bohrloch zufolge wurde er wie ein Bügel oder Knebel getragen. Er fand sich im Grab einer Frau, die um 2500 v. Chr. etwas südlich der Geothermieanlage in Aschheim beerdigt worden war und ihn vermutlich als Amulett um den Hals getragen hatte. Man nennt diese Anhänger aufgrund ihrer Halbmondform heute gerne „Lunula“ Anhänger (nach lateinisch Luna= Mond bzw. lunula=kleiner Mond) obwohl völlig unklar ist, ob hier der Mond in irgendeiner Weise eine Rolle spielte.
Der verstorbenen Frau vom Ende der Jungsteinzeit – als man bereits Kupferwerkzeuge und –schmuck herstellte – war noch ein typischer, stark geschwungener  Becher mitgegeben worden. Diese Becher gaben einer speziellen Gruppe ihren Namen, zu der auch unsere Frau gehörte: die so genannten „Glockenbecherleute“. Diese Gruppe fällt durch etwas andere Bestattungsgewohnheiten als die übrigen und die Beigabe dieser typischen Becher auf. Besonders dabei ist, dass man dieses Phänomen um 2500 v. Chr. nahezu in ganz Europa fassen kann. Vielleicht eine erste gesamteuropäische Glaubensgemeinschaft?

Fundstück für den Monat April: Zwei keltische Gräber aus Dornach

Als Fahrradfahrer ärgert man sich im Moment ein wenig über den gesperrten Pointweg in Dornach – doch der Straßenausbau hat auch wieder hervorragende Neuigkeiten ans Licht befördert. Bei den baubegleitenden archäologischen Ausgrabungen konnten zwei Brunnenschächte und zwei Gräber aus der keltischen Zeit, genauer aus der so genannten mittleren Latènezeit um 350-250 v. Chr. geborgen werden. Bei den Gräbern handelt es sich vermutlich um einen Mann und eine gut ausgestattete Frau, die hier im Bild gezeigt wird. Sie trug einen größeren, sehr gut gearbeiteten Bronzearming am linken Ellbogen und je einen Eisenring an beiden Handgelenken. Im Hüftbereich hielt eine geschmackvoll gestaltete Bronzefibel einen Teil ihrer Kleidung zusammen, während um das Becken eine eiserne Gürtelkette vermutlich ihr Kleid gürtete. Jene Kette bestand aus mehreren, ineinander geschmiedeten Achterkettengliedern und muss ursprünglich – silberfarben glänzend – sehr edel ausgesehen haben. Ganz ähnliche Grabausstattungen der gleichen Zeitstellung waren bereits 1999 im Bereich des heutigen Brunnenwegs und 1994 im Bereich des Dornacher Gewerbegebiets gefunden worden. Diese kleinen Bestattungsgruppen scheinen jeweils mit einer Häusergruppe oder einer Art Weiler zusammen zu hängen. Die beiden Toten vom Pointweg könnten gut in den Häusern gelebt haben, die 2012 im südlich gelegenen Feld, dem heutigen Kernweg, gefunden wurden. Ob diese Gehöfte in keltischer Zeit nun eine zusammenhängende Siedlung bildeten, ist nicht ganz klar. Sicher ist aber, dass die Kelten hier keinen gemeinsam genutzten Friedhof anlegten.

Fundstück für den Monat März: Ein Vollgriffschwert

Er staunte nicht schlecht, der Baggerfahrer, der beim Einbauen des Frostschutzkieses in der Blombergstraße das halbierte Schwert aus dem Boden zog. So hätte diese Preziose aus der späten Bronzezeit (ca. 1200-800 v. Chr.) eigentlich nicht geborgen werden dürften – aufgrund der Halbierung und der Brandspuren stammte es sicher einmal aus einem Grab. In der späten Bronzezeit verbrannten die Menschen ihre Toten, lasen aus der Asche die Knochenreste aus und gaben diese, in einer Urne gesammelt in ein Erdgrab. Die Gräber hochrangiger Verstorbener wurden zudem überhügelt, um sie besonders hervorzuheben. Ein näherer Blick auf das Schwert, bringt die fein gearbeiteten, harmonisch gestalteten geometrischen Muster ans Licht, die den gesamten, komplett aus Bronze gegossenen Griff einnehmen. Zweifellos war es ein wertvolles Stück, das ein Verstorbener der damaligen High Society mit auf den Scheiterhaufen bekommen hatte. Vorher war es jedoch zerbrochen worden, vermutlich, damit es nur von den Toten, aber nicht mehr von den Lebenden genutzt werden konnte. Vom Totenfeuer leicht verschmolzen, war es vermutlich neben die Urne gelegt worden. Doch in einem Grab fanden es die Archäologen nicht, sondern leider nur im Kies, der  aus dem Bereich der Fahrradunterführung zwischen Aschheim und Feldkirchen stammte. Hier fanden zwischen 2001/2002 keine archäologischen Untersuchungen statt. Ein Fehler, wie sich zeigt – zeugt doch das Schwert davon, dass hier ein besonderes Grab für immer verloren ging.

Fundstück für den Monat Februar: Ein Feuersteindolch

Der Aschheimer Dolch aus Feuerstein.
Mit Griff versehene Replik eines solchen Dolches (Foto R.Graf).

Gefertigt aus einem gut ausgesuchten Stück Plattenhornstein – oder Feuerstein, wie man auch dazu sagt – handelt es sich bei diesem Dolch um ein Meisterwerk steinzeitlicher Handwerkskunst. Für die Herstellung des Dolches wurde das passende Stück Feuerstein, das aus der Nähe von Landshut stammt, zunächst mit gezielten Schlägen grob in Form gebracht. Dann drückte der Steinschläger in Feinarbeit all die kleinen Kerben heraus, damit der Dolch seine jetzige Gestalt und seine feine, gegenständig gearbeitete Zähnung an den Schneiden erhielt. Setzt man bei dieser Feinarbeit sein Werkzeug – einen kleinen Drücker aus Geweih – nur einmal falsch an, ist der ganze Dolch nur noch Abfall. Nach gelungener Retusche, wie das feine Herausdrücken auch genannt wird, schliff man die flachen Seiten des Dolches ab, an denen sich noch Reste von Kalksinter der Oberfläche des Steins befanden. Ursprünglich war er einmal in einem Geweih- oder Holzgriff mit Hilfe von Birkenpech eingeklebt, so wie im zweiten Bild, an einer Replik zu sehen.
Unser Dolch stammt aus einem Grab vom Ende der Jungsteinzeit – aus der Zeit der so genannten Schnurkeramischen Kultur, die etwa zwischen 2600 und 2300 v. Chr. datiert. Ihren Namen verdankt diese Gruppe der Verzierungen ihrer Keramik durch Schnureindrücke.
Das Grab war 2008 während der archäologischen Arbeiten an der Aschheimer Ostumfahrung gefunden worden.