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Fundstück für den Monat Oktober: Römisches Fensterglas

Diese drei Glasscherben stammen aus den Ruinen des Baderaumes im Haupthaus der römischen Villa rustica westlich des Aussiedlerhofes. Es handelt sich bei Ihnen um Reste römischen Fensterglases. Bereits ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. stellte man dies in großen Mengen her, wobei es grundsätzlich zwei unterschiedliche Fertigungsformen gibt: einmal das so genannte Streckglas und zum anderen geblasenes Glas oder Zylinderglas. Beim Streckglas goss man geschmolzene Glasmasse auf eine glatte Unterlage, glättete sie mit einer Walze und zog anschließend das Glas in die gewünschte Größe und Form. Die Herstellung geblasenen Fensterglases ist etwas jünger und dürfte erst im 2. Jahrhundert entwickelt worden sein. Hierbei bläst man einen Glaszylinder, dessen Enden man entfernt und ihn dann längs aufschneidet. Nach erneutem Erhitzen lassen sich die Flügel des Zylinders herunterbiegen und glätten. Das gezeigte Fensterglas dürfte in dieser jüngeren Technik hergestellt worden sein, da es mit 1-3 mm sehr dünn ist und auf beiden Seiten eine glatte, glänzende Oberfläche besitzt. Die Gläser wurden mithilfe von Bleiblechen in die – vermutlich genuteten –Holzfenster fixiert. Gemeinsam mit den Resten von Wandmalereien im Baderaum zeigen sie deutlich den gehobenen Lebensstil, den sich die Bewohner hier im 2. und 3. Jahrhundert leisten konnten.
 

Bisherige Fundstücke des Monats:

Fundstück für den Monat September: Feine Döschen

Diese beiden kleinen Döschen fanden sich als eine besondere Beigabe in einem Frauengrab der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts aus dem Gräberfeld am Aschheimer Bajuwarenring. Sie sind 4 bzw. 2 cm hoch und wurden jeweils aus einem größeren, kompakten Langknochen eines Tieres gedrechselt. Der Handwerker arbeitete innen feine Absätze heraus, um Deckel und Boden der Döschen einsetzen zu können. Gut erkennbar ist das an der kleineren Dose, an der nur noch ein Verschluss erhalten ist. Die höhere Dose ist leider deutlich stärker von der Bodenlagerung angegriffen und dadurch in einem schlechteren Zustand. Da beide Döschen neben einander lagen, ist die unterschiedliche Erhaltung schwer zu verstehen. Vielleicht besaßen die Dosen verschiedene Oberflächenbehandlungen, deren Spuren heute leider vergangen sind. Ebenso unsicher ist ihr ursprünglicher Zweck. Da kein erkennbarer Inhalt mehr vorhanden war, dürfte es sich um vergängliche Materialien gehandelt haben, die hier aufbewahrt wurden. Denkbar sind zum Beispiel Salben, Cremes, Schminkutensilien oder andere feine Pulver für medizinische Zwecke oder auch Gewürze. Solche Beigaben sind selten in Frauengräbern und könnten für eine besondere Position oder eine besondere Aufgabe dieser Person zu Lebzeiten sprechen.
 

Fundstück für den Monat Juli: Glockenbecher mit Henkel

Über die ersten Menschen, die sich vor etwa 4500 Jahren in Aschheim und auch in Dornach niederließen, besitzen wir noch keinerlei schriftliche Überlieferung. Daher ist uns unbekannt, ob diese sich selber als Gruppen sahen und bezeichneten und wenn ja, wie sie sich denn nannten. Charakteristisch für diese Leute sind allerdings unterschiedliche Formen der Bestattungssitten, zu denen auch die Beigabe charakteristischer Becherformen gehörte. Deshalb benannte man diese Menschen nach der Form und Verzierung ihrer Keramik und unterscheidet hierbei die so genannte Schnurkeramische Kultur und die Glockenbecherleute. Einen Glockenbecher von ganz besonders schöner Form, Verzierung und noch dazu mit einem Henkel fanden die Ausgräber im Vorfeld der Bauarbeiten des neuen Rewe-Marktes am südlichen Ortsausgang von Aschheim im Jahr 2018. Gemeinsam mit einem weiteren, kleinen Becher gehörte er zu den Beigaben vermutlich eines Kindergrabes, von dem sich keine Knochen mehr erhielten. Sein Gefäßkörper ist komplett durch kleine Stempeleindrücke verziert. Die Muster und deren Anordnung sind ganz charakteristisch für unseren südbayerischen Raum. Die Zutat eines Henkels ist zwar bekannt, in Bayern bislang aber eher selten, weshalb dieses Exemplar durchaus einen besonderen Fund darstellt. Der Becher kommt gerade frisch von der Restaurierung und wird erst ab nächstem Jahr in der Ausstellung zu sehen sein.
 

Fundstück für den Monat Juni: Ein Stallfundament unter der Dorfstraße

Aktuell wird die Dorfstraße saniert. Der Untergrund ist hier von sehr unterschiedlicher Art und Qualität, weshalb er für die Standfestigkeit der Straße bis in eine gewisse Tiefe ausgetauscht wird. Da dies mitten in unserem sehr alten Ort geschieht und die Bodeneingriffe nicht nur oberflächlich sind, wird diese Maßnahme archäologisch begleitet. Während des Abtiefens zeigten sich direkt vor dem Bauernschneiderhof die Fundamentreste und Teile eines Fußbodens aus in Lehm gesetzten Kieseln von einem ehemaligen kleinen Stall oder einem Nutzgebäude. Ganz offensichtlich war dieses Gebäude abgebrannt – wie der Brandschutt und zahlreiche Scherben der Zeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zeigten. Auf den alten Katasterplänen von 1809 und 1856 ist das Gebäude allerdings nicht aufgezeichnet, ebenso wenig wie auf den jüngeren um 1930. Die Ziegelsteine der Mauern dürften aufgrund ihrer Maße jedoch ins 19. Jahrhundert gehören. Wahrscheinlich wurde der Stall nach 1856 errichtet, was sein Fehlen auf dem Kataster erklärt und ist bereits 1901 beim Großbrand des Grollhofs (heute Grünfläche vor dem Haus mit Eisdiele, Bäcker, Läden sowie Ruthusbrunnen) mit abgebrannt. Anstelle des Grollhofs entstand dann das Kartoffellager der Brennerei und die Reste des kleinen Stalls verschwanden unter der Dorfstraße – bis heute.
 

Fundstück für den Monat Mai: Ein Schlüssel aus dem frühen Mittelalter

Betrachtet man seine Gestalt, so sieht das Objekt aus wie ein kleiner Anker mit einem längeren Mittelarm. Doch seine Funktion war eine andere… Das etwa 21 cm lange Eisenobjekt wurde 1998 im Grab einer Frau gefunden, die wohl in ihren 40ern war, als sie um die Mitte des 6. Jahrhunderts verstarb. Aufgrund ihrer reichen Beigabenausstattung musste sie zu einer wohlhabenden Familie gehört haben, die ihre Toten interessanterweise nicht auf dem großen Friedhof dieser Zeit am heutigen Bajuwarenring beerdigten, sondern auf einem anderen, kleineren Friedhof nahe dem heutigen Wasserturm. Gemeinsam mit verschiedenen Amuletten und einem Messer trug die Dame diesen Schlüssel, vermutlich an einem Lederband am Gürtel. Er diente zum Öffnen eines Federschlosses, wie es zum Verschließen eines Kästchens oder einer Truhe genutzt wurde. Durch eine langschmale Öffnung schob man das gegabelte Ende in das Kästchen, drehte den Schlüssel um 90° und zog ihn leicht zu sich heran – wenn er passte, dann glichen die Abstände der Zinken denjenigen der kleinen Löcher im Schloss, durch die die Zinken Innen eine Feder zusammendrückten – so war dann der Deckel zu öffnen. Zum Schließen musste lediglich die Feder wieder in einen dünnen Schlitz gesteckt werden, im Schloss ging sie auf und konnte nur durch den richtigen Schlüssel wieder zusammen- und herausgezogen werden!
 

Fundstück für den Monat April: Bunte Glasperlen

Frauen im frühen Mittelalter (6.-8. Jahrhundert) trugen gerne bunte Glasperlen sowohl als Brustschmuck, wie auch aufgenäht auf der Kleidung und wohl auch als Besatz eines Schleiers oder Haarnetzes. Auf jeden Fall sollte es bunt sein! Aber nicht wahllos: zu bestimmten Zeiten wählte man ausgesuchte Farb- und Formkombinationen der Perlen. So verrät uns der gezeigte Perlenschmuck aus einem Frauengrab des Gräberfelds vom Aschheimer Bajuwarenring durch seine Kombination aus blauen, weißen, orangen und roten, mittelgroßen Perlen in Zylinder- und Tonnenformen einer bestimmten Herstellungsart, dass wir uns in der Zeit zwischen 580 und 620 n. Chr. befinden.
Solche relativ einfachen Glasperlen wurden wahrscheinlich an vielen Orten hergestellt – diese hier vielleicht sogar in Aschheim. Die Glasmasse musste allerdings gekauft werden, denn sie herzustellen war eine hoch spezialisierte Arbeit. Das Grundglas aus Soda, Quarz und Pottasche konnte man mit Mineralien oder verschiedenen Oxiden färben. Vermutlich kam das Rohglas bereits in gefärbten Zustand in die Perlenwerkstätten, wo dieses dann aufgeschmolzen und in die aktuell gefragten Formen gedreht oder gezogen und auch mit Mustern verziert wurde. Sortiert aufgereiht und auf eine Sehne, ein dünnes Lederband oder eine Schnur gefädelt wurden sie getragen – immer wieder durch neue Formen ausgetauscht und ergänzt, vermutlich ein ganzes Leben lang.
 

Fundstück für den Monat März: Keltisches Fibelpaar

Beim Bau der Blombergstraße im Jahr 1997 wurde während der vorgreifenden archäologischen Untersuchungen eine Grabgruppe mit zwei Erwachsenen und einem Kleinkind aus keltischer Zeit gefunden. Aus dem Grab einer Frau stammen die beiden Fibeln, die jeweils auf den Schultern getragen wurden und dort ein locker fallendes Kleid befestigten. Ein solches Kleid wurde über einem engeren Unterkleid getragen, wie es damals üblich war. Diese kleine Grabgruppe datiert zwischen 400 und 330 v. Chr. Beide Fibeln sind aus Bronze und stammen aus einer sehr guten Werkstatt. Eine besitzt ursprünglich rote Koralleneinlagen, die sich durch die Bodenlagerung leider weiß gefärbt haben. Die Andere ist komplett mit einem fein eingeritzten Muster aus gezackter Ornamentik versehen. Beide besitzen eine runde Fußplatte, die auf den Bügel gedreht ist und je eine Bernstein Einlage aufweist. Der Bernstein stammt aus der Ostsee, die Koralle aus dem Mittelmeer und die Fibelformen finden sich häufiger in der Westschweiz und in Südfrankreich.
Was es mit diesen Verbindungen auf sich hat und wie die Kelten auf heutigem Aschheimer Gebiet in diese europaweite Dynamik eingebunden waren, wollte uns Frau Christiana Later eigentlich am 3.4.2020 im großen Saal des Kulti berichten. Aufgrund der aktuellen Lage wird dieser Vortrag aber in den Juni verschoben. Ein genaues Datum wird noch bekannt gegeben – bleiben Sie gespannt!

Aufgrund der aktuellen Lage ist leider auch das AschheiMuseum momentan geschlossen. Es tut uns leid.

 

Fundstück für den Monat Februar: Eine wichtige Tasse

Bei diesem Stück handelt es sich um einen Fund, der 2018 südlich vom Postfrachtzentrum zu Tage kam und ganz aktuell restauriert wurde. Bisher ist die Tasse noch nicht in der Ausstellung zu sehen.
Dieses kleine Gefäß war ursprünglich etwa 11 cm hoch, wurde aus einem fein aufbereiteten Ton ohne Drehscheibe gefertigt und auf der gesamten sichtbaren Fläche verziert. Diese Verzierung ist in jeweils drei dünne Linien gegliedert, die oben von Punkten und an den Seiten sowie unten von feinen Querstrichen begleitet werden. In das eingeritzte und eingedrückte Muster wurde eine weißliche Masse eingestrichen, die in einem wunderbaren Kontrast zur dunklen Oberfläche des Tässchens steht. Es ist nicht ganz klar, ob diese Masse vor oder erst nach dem Brand des Tongefäßes eingebracht wurde. Die Tasse ist nur zur Hälfte erhalten und ging wohl bereits während ihrer Nutzung zu Bruch. Lediglich ein Teil geriet in die Verfüllung einer Grube. Doch das Besondere an diesem Stück ist, dass es zum ersten Mal sicher die Besiedlung während der mittleren Bronzezeit (1700-1200 v. Chr.) in Aschheim belegt. Es wurde innerhalb eines Hausgrundrisses gefunden, den die Archäologen ohne diesen Fund eher in die ältere Frühbronzezeit datiert hätten. Doch immer wieder gibt es neue Erkenntnisse!
 

Fundstück für den Monat Januar: Almandinscheibenfibel

Bei diesem Schmuckstück handelt es sich um eine so genannte Scheibenfibel. Das ist eine Gewandspange, deren Verschluss nach dem Prinzip einer Sicherheitsnadel funktioniert, wobei dieser Verschluss unter einer großen, verzierten Platte versteckt ist. Wie bei einer heutigen Brosche. Diese Scheibenfibel fand sich 1998 in einem Frauengrab der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts des frühmittelalterlichen Gräberfeldes am Aschheimer Bajuwarenring. Das Silber ihrer Platte war wohl etwas dünn und die Erde, in der sie 1600 Jahre lang lag hat ebenfalls an ihr gearbeitet – weshalb Sie nicht mehr ganz vollständig erhalten ist. Doch auf diese Weise sieht man ihr Konstruktionsprinzip sehr schön: Die Nadel ist auf einer silbernen Grundplatte befestigt, auf diese Platte hat der Goldschmied das Stegwerk aus Silber aufgelötet. So entstanden die kleinen Kammern für die Steine. Diese wurden zunächst mit einer Kittmasse aufgefüllt, darauf legte er eine dünne, strukturierte Goldfolie, auf die dann die roten Steine eingepasst wurden. Durch die Goldfolie darunter erhalten die roten Steine – Almandine aus Nordindien – ihr lebendiges Leuchten. Zu sehen im AschheiMuseum!

Mehr zur Archäologie in Aschheim und zu den Ereignissen im AschheiMuseum erfahren sie auf unserer Homepage: www.aschheimuseum.byseum.de
Unter „Aktuelles“ finden sie auch die aktuellen Jahresrückblicke für 2019.
 

Fundstück für den Monat Dezember: Eine gezipfelte Glasperle

Bei dem gezeigten Objekt handelt es sich nicht um Christbaumschmuck, sondern um den ältesten Glasfund aus Aschheim. Diese ca. 1,5 cm große Perle aus blauem, leicht schlierigem Glas wurde ursprünglich rund gedreht. An vier gegenüber liegenden Stellen setzte der Perlenmacher dann an die noch weiche Perle weiße Glasmasse auf. Darüber legte er noch einmal blaues Glas und zog diese Bereiche zipfelig aus, wodurch die Perle ihre endgültige Form bekam. Die Farbigkeit des Glases erreichte man durch Metalloxide, die der Glasmasse beigemengt waren. Zuviel Oxyd führte zu etwas poröserer Oberfläche, wie sie an unserer Perle beobachtet werden kann.
Die Perle wurde in einer Pfostengrube eines Hauses der späten Bronzezeit, etwa 1200-600 v. Chr. im Bereich des heutigen betreuten Wohnens gefunden. Ob sie dort beim Bau des Hauses in der Bronzezeit verloren ging oder absichtlich, vielleicht als eine Art Bauopfer, niedergelegt wurde ist nicht klar. Kleine Gaben, die zum erfolgreichen Bau des Hauses beitragen sollten – Bauopfer – kennt man allerdings aus dieser Zeit durchaus.
Den Werkstoff Glas entdeckten Ägypter oder Mesopotamier wahrscheinlich als Nebenprodukt der Keramikherstellung. In Süddeutschland kennt man erste Glasfunde seit der mittleren Bronzezeit, etwa ab 1600 v. Chr. Unsere Perle gehört hier mit zu den ältesten Glasfunden aus Süddeutschland.
 

Fundstück für den Monat November: Ein keltischer Fußring

Der bronzene Ring mit offenen Enden gehört zu einem an den Füßen getragen Paar. Er stammt aus einem Frauengrab, das 2008 unter dem heutigen Feuerwehrgebäude in Dornach ausgegraben wurde. Zu dem Fußringpaar trug die keltische Dame aus der Zeit etwa um 200 v. Chr. an den Armen zwei unterschiedliche Ringe, eine eiserne Gürtelkette und drei ebenfalls bronzene Fibeln, die ihr Kleid verschlossen. Das war damals eine übliche Kleidungsausstattung einer gehobenen Frau der keltischen Gesellschaft.
Derartige Fußringe mit mehr oder weniger dicken Buckeln waren in dieser Zeit sehr beliebt. Die Buckel wurden ab einer gewissen Größe hohl gearbeitet, vermutlich um Material zu sparen und die Ringe nicht zu schwer zu machen. In einigen Fällen – so auch bei unserem Exemplar – füllte man die Hohlstellen mit feinem Ton, den man innen sauber abstrich. Dies diente vielleicht dem Tragekomfort, damit die Ringe angenehm am Fußgelenk saßen. Dennoch dürften sie wohl manchmal etwas hinderlich gewesen sein. Abnutzungsspuren an einer Außenseite zeigen, dass die Ringe beim Tragen öfter aneinander stießen. Mit etwa 7 cm Innendurchmesser wurde der bronzene Fußring von einer eher zierlichen Dame getragen, die als Erwachsene verstarb. Wie alt sie genau wurde ist uns leider noch nicht bekannt.

Fundstück für den Monat Oktober: Ein Mühlstein in Teilen

Seit der Mensch Getreide anbaut, hat er es auch zermahlen. Die ersten Mahlgeräte bestanden dabei aus einem größeren, flachen Stein der auf dem Boden lag und einem kleineren, handlichen Stein, den man über die Mahlfläche führte. Zwischen den Steinen wurde das Getreide gequetscht und zermahlen. Eine sehr viel effektivere Methode wurde in Süddeutschland erstmals durch die Kelten eingeführt: übereinander liegende, runde Mühlsteine. Indem man den oberen Stein über den unteren drehte konnte man mit sehr viel weniger Aufwand sehr viel mehr Getreide mahlen.
Ein großes Stück eines solchen Mühlsteins wurde 2011 in der Trasse der Alpenstraße in den obersten Schichten einer Brunnenverfüllung gefunden. Der Brunnen wurde in keltischer Zeit, wohl im 6. Jahrhundert v. Chr. angelegt. Erst im 7. Jahrhundert n. Chr. dürfte die oberste Verfüllung des wohl noch als flache Grube vorhandenen Brunnenschachtes verfüllt worden sein. Dort hinein geriet eine Hälfte eines abgenutzten, zerbrochenen Mühlsteins. Im Sommer 2018 fand sich nun ca. 100m südöstlich der Fundstelle, an der Radebergerstraße ein weiteres Stück Mühlstein – wiederrum in der oberen Verfüllschicht eines Brunnens. Der Stein war deutlich gerötet, vielleicht im Feuer gelegen, aber ansonsten wirkte er sehr vertraut. Und siehe da – die Stücke passen zusammen! Wer weiß, wenn die Ausgrabungen auf dem benachbarten Feld weitergehen, findet sich vielleicht auch das fehlende Viertel noch.
 

Fundstück für den Monat September: Erbstück oder Fundstück?

Bei dem heutigen Fundstück handelt es sich um eine so genannte Zwiebelknopffibel aus vergoldeter Bronze. Das ist eine Gewandspange, die nach der Form der an Zwiebeln erinnernden Knopfenden ihren Namen bekam. Normalerweise besitzt sie immer drei solcher Enden, doch in unserem Fall ist der Zwiebelknopf an der Spitze verloren gegangen, man sieht lediglich das Loch, in dem er ursprünglich eingezapft war. Dabei handelt es sich um eine römische Fibelform der zweiten Hälfte des 4. – frühen 5. Jahrhunderts, die Soldaten oder anderen Amtsträgern der römischen Militär- oder auch Zivilverwaltung verliehen wurde. Doch fand sich diese Fibel keineswegs im Bereich einer römischen Fundstelle, sondern in einem Kindergrab aus dem frühen 6. Jahrhundert, das im Jahr 2001 nahe des Wasserturms in Aschheim gefunden worden war. Damit gilt sie als Altstück – aber was heißt das eigentlich? Wie kam ein Knabe im 6. Jahrhundert an eine 100-150 Jahre alte Gewandspange? Im Grunde sind zwei Szenarien denkbar: entweder er hat sie geerbt oder sie wurde gefunden. Leider klafft genau für die Zeit zwischen der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts und der Zeit um 500 eine Fundlücke hier in Aschheim – wir wissen also nicht, ob in dieser Zeit überhaupt jemand hier siedelte. Falls es sich also um ein Erbstück handelte, dürfte die Familie des Knaben dieses von woanders mitgebracht haben. Doch gut möglich, dass der Knabe die Fibel auch auf dem Acker fand. Im Sommer 2018 wurden Gräber aus der Mitte des 4. Jahrhunderts freigelegt - zu dieser Zeit lebten hier noch Angehörige des Römischen Reichs.
 

Fundstück für den Monat August: Eine verzierte Gewandnadel

Sie war und ist ein echtes Schmuckstück – diese stark verzierte bronzene Nadel. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Lochhalsnadel mit Petschaftkopf aus dem Beginn der mittleren Bronzezeit, also der Zeit ca. um 1600-1500 v. Chr. Damals kannte man noch keine Fibeln (Gewandspangen), so verschlossen Frauen, die sich eine solche Nadel leisten konnten ihr Oberkleid mithilfe einer Nadel. Um das Farbenspiel zwischen Stoff und ursprünglich golden glänzender Bronzenadel möglichst effektvoll einsetzen zu können war der Nadelschaft gewellt. So konnte die Nadel mehrfach durch den Stoff gefädelt werden und gut und sicher halten. Als weitere Sicherung gegen Verlust besaß sie im oberen Drittel ein Loch – hier war sie wohl an der Kleidung angenäht. Feine Verzierungen auf dem flachen Nadelkopf, Kreise im oberen Teil des Nadelschaftes und Profilierungen entlang des gewellten Teils der Nadel gestalten das Schmuckstück vielfältig. Das Grab der Frau, aus dem sie stammt, war innerhalb eines Kreisgrabens angelegt worden, der einen Grabhügel einfasste. Dieses Grab wurde im Sommer 2018 im Bereich der Erweiterung des Bauma-Parkplatzes ausgegraben. Für Aschheim ist diese Nadel ein besonderer Gewinn, denn bislang waren keine sicher in die mittlere Bronzezeit datierenden Funde bekannt. Mit der Nadel und ein paar anderen Hinweisen wird nun klar, dass der Aschheimer Raum in der Bronzezeit durchgehend besiedelt war.
 

Fundstück für den Monat Juli: Ein Kamm aus Geweih

Dieser wertvolle Kamm mitsamt einem Futteral fand sich als Beigabe in einem Frauengrab der Mitte des 6. Jahrhunderts im frühmittelalterlichen Gräberfeld von Aschheim-Bajuwarenring. Gefertigt wurde er aus mehreren Platten, die aus den massiveren Partien eines Rothirschgeweihs gesägt waren. Sechs derartige Platten richtete der Kammmacher auf gleiche Größe zu, Schnitt aus den äußeren Platten Muster aus und passte sie Seite an Seite an. Mittig über die Platten legte er längliche Griffleisten, die durch Eisenniete verbunden, die Platten zusammen hielten. Aus diesem Basisstück sägte er nun die Zähnung heraus, wie kleine Einschnitte in den Griffleisten des Kamms belegen. Neben der groben Zähnung, die sich problemlos zum Haare kämmen eignet, sitzt auf der gegenüberliegenden Seite eine sehr feine Zähnung. Diese diente weniger der Haarordnung, sondern dem Auskämmen von Kopfläusen und Nissen. Mit dieser Kopfplage hatte man im frühen Mittelalter wohl häufig zu kämpfen. Da aber der Verlust der Haare durch Abschneiden oder gar eine Rasur des Kopfes auch bei Männern eine große Schande darstellte, musste man diesen Tierchen durch Auskämmen beikommen!
Der Kamm war durch eingeritzte Muster verziert, die wahrscheinlich noch durch Holzkohle schwarz gefärbtes Wachs betont wurden. Hier ist die Verzierung aus Halbkreisen und Punkten nur noch schwach auf den Resten des Futterals zu sehen, das den Kamm vor dem Ausbrechen einzelner Zähne schützen sollte.
 

Fundstück für den Monat Mai: Eine frühmittelalterliche (Bier?)Kanne

Die gehenkelte Kanne fand sich als Grabbeigabe zu Füßen einer etwa um 600 n. Chr. verstorbenen Frau, die im Gräberfeld am Aschheimer Bajuwarenring beerdigt worden war. Dabei dürfte es weniger das Gefäß gewesen sein, das die Angehörigen der Verstorbenen mitgeben wollten, sondern eher dessen Inhalt. Solche Kannen dienten – wie heute auch noch – als Schankgefäße für Getränke. Die Beigabe von Speisen und Getränken ist im Südbayern des 6. und 7. Jahrhunderts allerdings eher selten zu beobachten, häufiger findet man diesen Brauch nördlich der Donau, in Südwestdeutschland und am Rhein. Betrachtet man die Kanne genauer, so fällt auf, dass es sich um ein auf der Drehscheibe gefertigtes Produkt von hoher Qualität handelt. Solche Keramik steht in spätrömischer Tradition und wurde im fränkischen Raum – z.B. im Rhein-Maingebiet hergestellt, nicht in Bayern. In Aschheim handelt es sich demnach um ein Importstück und war hier genauso fremd, wie der Brauch der Getränkebeigabe. Leider lässt sich nicht mehr feststellen, was sich in der Kanne befand. Da es sich für die Verstorbene sicher um ein besonderes Gefäß gehandelt hat, dürfte sie wohl auch mit einem besonderen Getränk gefüllt gewesen sein. Denkbar wären hier entweder Wein oder durchaus auch Bier – und das wäre dann gar nicht mehr so fremd.

Die gehenkelte Kanne fand sich als Grabbeigabe zu Füßen einer etwa um 600 n. Chr. verstorbenen Frau, die im Gräberfeld am Aschheimer Bajuwarenring beerdigt worden war. Dabei dürfte es weniger das Gefäß gewesen sein, das die Angehörigen der Verstorbenen mitgeben wollten, sondern eher dessen Inhalt. Solche Kannen dienten – wie heute auch noch – als Schankgefäße für Getränke. Die Beigabe von Speisen und Getränken ist im Südbayern des 6. und 7. Jahrhunderts allerdings eher selten zu beobachten, häufiger findet man diesen Brauch nördlich der Donau, in Südwestdeutschland und am Rhein. Betrachtet man die Kanne genauer, so fällt auf, dass es sich um ein auf der Drehscheibe gefertigtes Produkt von hoher Qualität handelt. Solche Keramik steht in spätrömischer Tradition und wurde im fränkischen Raum – z.B. im Rhein-Maingebiet hergestellt, nicht in Bayern. In Aschheim handelt es sich demnach um ein Importstück und war hier genauso fremd, wie der Brauch der Getränkebeigabe. Leider lässt sich nicht mehr feststellen, was sich in der Kanne befand. Da es sich für die Verstorbene sicher um ein besonderes Gefäß gehandelt hat, dürfte sie wohl auch mit einem besonderen Getränk gefüllt gewesen sein. Denkbar wären hier entweder Wein oder durchaus auch Bier – und das wäre dann gar nicht mehr so fremd.
 

Fundstück für den Monat April: Im Brunnen versenkt

Bei diesem kleinen Becher handelt es sich um ein wunderschön komplett erhaltenes Stück der frühen römischen Kaiserzeit, aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Er wurde auf der Drehscheibe hergestellt und sehr kontrolliert und hart gebrannt. Obwohl es sich hierbei wahrlich nicht um das beste Geschirr am römischen Töpfermarkt handelte, findet sich Ware dieser Qualität in Südbayern erst im späten Mittelalter wieder. Zwischenzeitlich war entweder das Wissen um diese Herstellung verloren gegangen oder man legte einfach andere Maßstäbe an die Ware.
Der kleine Trinkbecher fand sich in den Ablagerungen am Boden des 2013 in der Akazienstraße ausgegrabenen Brunnens mit teilweise erhaltener, hölzerner Brunnenverschalung. Dank der Holzerhaltung weiß man heute, dass der Brunnen zwischen 28 und 35 v. Chr. gebaut wurde. Da kaum Reparaturen feststellbar waren und man bei derartigen Brunnen aus Eichenholz von einer Lebensdauer von maximal 30 Jahren ausgeht, muss der Becher während der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts oder um dessen Mitte dort hineingestürzt sein. Man kann sich vorstellen, der Besitzer hatte ihn am Brunnenrand abgestellt, um sich mit dem geschöpften Wasser zu erfrischen. Ein Augenblick der Unaufmerksamkeit könnte dann dazu geführt haben, dass er von der Brüstung in den Brunnen fiel. Glücklicherweise landete er jedoch so, dass er ganz und damit bis heute erhalten blieb.
 

Fundstück für den Monat März: Eine frühmittelalterliche Ahle

Eine Ahle oder auch ein Pfriem sind Werkzeuge die vor allem im Bereich der Lederverarbeitung benutzt werden. Mit einer Ahle sticht man zum Beispiel die Löcher einer Naht vor, die man im Anschluss mit Nadel und Faden zusammenfügt. Solche Werkzeuge gibt es bereits seit der Altsteinzeit. Früher waren sie aus Geweih, später dann aus Bronze und seit der Eisenzeit aus Eisen. In den meisten Fällen erhält sich lediglich der eiserne Einsatz der Ahle, der Griff war sehr häufig aus Holz und verging somit normalerweise über die Zeit.
Die hier gezeigte Ahle stammt aus einem Grubenhaus, das 2012 im Bereich der Ostspange ausgegraben wurde. Das Grubenhaus lag inmitten einer Vielzahl archäologischer Strukturen, die die letzten Zeugnisse des östlichen Ortsgebiets von Aschheim aus dem 6.-9. Jahrhunderts darstellten. Aufgrund der mit der Ahle zusammen aufgefundenen Keramik dürfte das Grubenhaus in das 7. Jahrhundert datieren. Grubenhäuser sind Arbeitshäuser, die nach Ausweis der in ihnen vorgefundenen Objekte entweder zur Textil-, Geweih-, Eisen- oder Lederverarbeitung genutzt wurden. Möglicherweise dienten sie auch als Werkstätten für mehrere Handwerke. Die Ahle verweist auf einen Lederverarbeiter, vielleicht einen Schuster, der hier tätig war. Erfreulicherweise war diese Ahle mit einem Griff aus Geweih versehen, der im hinteren Viertel feine geritzte Verzierungen aufweist. Aus diesem Material blieb er erhalten und mit ihm ein sehr schönes Beispiel eines frühmittelalterlichen Werkzeugs.
 

Fundstück für den Monat Februar: Ein Anhänger mit Münzabdruck

In gut ausgestatteten Frauengräbern des frühen Mittelalters (5.-8. Jahrhundert) finden sich immer wieder römische, ostgotische oder auch byzantinische Münzen, die, gelocht oder geöst, als Schmuck getragen wurden. In einigen Fällen arbeitet man dafür gar keine Münze um, sondern prägte ostgotische oder byzantinische Münzbilder lediglich einseitig als Abdruck in Goldanhänger. So auch im hier gezeigten Exemplar eines Anhängers aus einem Frauengrab des Aschheimer Gräberfeldes am Bajuwarenring. Der Anhänger zeigt die Vorderseite eines byzantinischen Solidus – der damals gängigen Goldmünze von 4,5 Gramm Gewicht – aus der Zeit zwischen 527-565 n. Chr. mit dem Kaiserportrait von Justinian I. Der Kaiser wird mit Diadem auf dem Kopf und reich verziertem Obergewand dargestellt. Um das Bildnis herum verläuft die Inschrift: D N JUSTINIANUS P P AUG. DN steht für lateinisch Dominus Noster (unser Herr) und ist eine Ehrenformel für den Kaiser, ebenso wie das PP = Per petuus (fortwährend) und AUG = Augustus (der Erhabene – ist die römische Bezeichnung für den Kaiser). Dadurch wird deutlich gemacht, wessen Bild hier dargestellt ist und auch wer für den Wert der Münze birgt. Als Münzabdruck steht aber wohl eine andere Bedeutung im Vordergrund – die Verehrung des christlich byzantinischen Kaisers. Ob dies allerdings bereits im Zusammenhang mit einem christlichen Glauben der Trägerin verstanden werden kann ist unsicher. Schmuck dieser Art war im späten 6. und frühen 7. Jahrhundert sehr beliebt und weit verbreitet, weshalb es auch möglich ist, dass sie Dame lediglich einer Mode gefolgt ist.
 

Fundstück für den Monat Januar: Ein besonderes Bügelfibelpaar

Bügelfibeln sind Gewandschließen des frühen Mittelalters und waren etwa vom 5. bis frühen 7. Jahrhundert in Mode. Die Vorderseiten dieser Schließen bestehen aus zwei flacheren Zierflächen, die mit einem Bügel verbunden sind, daher der Name „Bügelfibel“.
Dieses Paar stammt aus dem Grab eines Mädchens, das bereits im Alter zwischen 7 und 11 Jahren verstarb und auf dem großen Gräberfeld beerdigt wurde, das zwischen 1997 und 1998 am heutigen Aschheimer Bajuwarenring ausgegraben worden war. Für das frühe 6. Jahrhundert typisch lagen die Fibeln nicht an der Hüfte oder parallel zu den Oberschenkeln, sondern im Bauchbereich. Hier dienten sie entweder dem Verschluss eines Überkleides oder auch einer gürtelähnlichen Scherpe. Die Fibeln sind aus Silber gegossen und feuervergoldet. Die feinen schwarzen Dreiecke am Rand führte der Feinschmied in aufwendiger Niello-Technik aus. Hierbei wird ein Metallpulver hergestellt, in die Vertiefungen des Metalls gerieben und über Feuer eingeschmolzen. Solch aufwendige Schmuckstücke trug nicht jede Frau im damaligen Aschheim und schon gar nicht jede so junge Frau. Unsere Dame dürfte daher einer wohlhabenden Familie entstammen, die darauf achtete, dass auch im Tod der Status der Verstorbenen deutlich wird. Die Gestaltung der Fibel mit einem Widder-ähnlichem Tierkopfende und der vorderen Platte mit den beiden Durchbrüchen auf den Seiten verweist auf eine eher östliche Formtradition, die in ähnlicher Weise auch in Mitteldeutschland zu finden ist. Da derartige Stücke inzwischen aber auch in Süddeutschland recht häufig vorkommen ist man heute mit der Bezeichnung „thüringische Fibel“ etwas vorsichtiger geworden. Denn wo die Werkstätten für derartige Schmuckstücke sich befanden weiß man leider nicht.
 

Fundstück für den Monat Dezember: Aschheim 1898

Das Bild zeigt eine der ersten Fotopostkarten Aschheims aus dem Jahr 1898. Ältere Postkarten trugen keine Fotographien, sondern meist kolorierte Lithographien. Postkarten oder genauer gesagt Ansichtskarten kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf, erlebten ihren Aufschwung aber erst gegen Ende des Jahrhunderts. Durch den Ausbau der Eisenbahn war der Posttransport bedeutend schneller und günstiger geworden. Aber auch das Reisen wurde erheblich erleichtert und Ausflüge auf´s Land für die Stadtbevölkerung durchaus populär. Dies reizte dazu, aus den besuchten Orten eine „Gruß aus…“ Karte zu schicken, auf der der Ort mit wenigen Bildern charakterisiert wurde. Dabei ist es durchaus interessant, welche Ansichten und Gebäude die ersten Gestalter dafür auswählten. Häufig sind es die Kirchen, Schulen, Wirtshäuser und die Hauptstraßen, die hier erwählt wurden. Auch bei der Aschheimer Karte ist dies der Fall: links die Kirche St. Peter und Paul, mittig der „Schuster Wirt“, das Gasthaus Münchner Hof. Bei der Kirche handelt es sich noch um den spätgotischen, um 1480 errichteten Bau, der in den Jahren 1936/37 bis auf den Chorbereich abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde.
Mehr über die Geschichte der Aschheimer und Dornacher Höfe sowie charakteristische alte Ansichten derselben finden Sie in dem 2017 erschienenem Buch: Aschheim und Dornach in Bildern. Erhältlich in der Gemeinde (Kasse) und in der Bücherei zum Preis von 19,90 €. Ein ideales Weihnachtsgeschenk!
 

Fundstück für den Monat November: Ein frühbronzezeitlicher Spiraltutulus

Dieser etwas sperrige Name beschreibt ein rundes, mittig leicht kegelförmig hochgezogenes Objekt, das aus einem eingerollten Kupfer- oder Bronzedraht besteht. Es stammt aus einem der sechs Gräber der frühen Bronzezeit (ca. 2200-1800 v. Chr.), die im Sommer diesen Jahres im Aschheimer Gewerbegebiet südlich der Klausnerstraße aufgedeckt wurden. Dabei handelte es sich um zwei Frauen, drei Männer und ein Kind, die hier vor 4000 Jahren ihre letzte Ruhe fanden. Es könnte sich um Mitglieder einer kleinen Familiengruppe handeln, die in den nahegelegenen Häusern gelebt hatte, deren Grundrisse ebenfalls aufgedeckt werden konnten.  Eine der beiden Frauen trug während ihrer Bestattung eine Bekleidung mit aufgenähten Bronzeblechröhrchen, Bronzehütchen und ursprünglich wohl mehreren solcher Tutuli. Übrig blieb von diesen jedoch nur eines, denn relativ bald nach ihrer Bestattung holten sich Grabräuber einen Teil der wertvollen Gegenstände wieder.  Ähnliche Funde mit gut erhaltenen organischen Resten der Bekleidung von anderen Fundorten zeigten, dass solche Tutuli mithilfe von Schlaufen in der Oberbekleidung der Frau eingedreht und so befestigt gewesen waren. Bedenkt man die ursprünglich rötlich-goldene Farbe der Kupferbronze und stellt sich einen ledernen Umhang vor, dann war das schon eine relativ auffallende Oberbekleidung, die an manch eine Modeausprägung der 1980er Jahre erinnern könnte…
 

Fundstück für den Monat Oktober: Ein prächtiger Gürtel des frühen 8. Jahrhunderts

Er ist kein Neufund, aber unbedingt beachtenswert: der prächtige Gürtel aus dem Grab eines besonderen Herrn, das bereits 1996 beim Bau des Kreisels Richtung Kirchheim aufgedeckt worden ist. Dieser Gürtel bestand aus einer eisernen Schnalle, die einen rechteckigen Beschlag besitzt, an dem der Lederriemen befestigt war. Mondförmige und dreieckige Beschläge dienten als Zieraufsätze des Gurtes. An ihnen waren teilweise auch schmalere Lederfortsätze befestigt. An jedem Ende dieser Nebenriemen befand sich eine kleine mit Messing und Silberdraht in Einlegearbeit verzierte Riemenzunge. Der Gürtel verschloss ein Gewand, dessen golddurchwirkte Borte den Herrn als zur damaligen Oberschicht gehörig ausweist – vielleicht war er eine Art früher Adliger.
Das Grab gehörte zu einer kleinen Gruppe, die nicht mehr auf dem Gräberfeld am heutigen Bajuwarenring beerdigt wurde, sondern vermutlich direkt neben der damaligen Dorfstraße. Dies verwundert, denn zu dieser Zeit – um 720/30 n. Chr. – würde man einen solch noblen Herrn an der bereits seit mehr als 100 Jahren bestehenden Aschheimer Kirche erwarten. Ob seine Familie dort nicht bestatten durfte oder es bewusst nicht wollte, können wir heute leider nicht mehr sagen. Sicher ist aber, dass dieser Herr ein Entscheidungsträger im damaligen Ortsgeschehen war und es derer wohl mehr als einen im damaligen Aschheim gab.

 

Fundstück für den Monat September: Neufunde: Spätrömische Gräber

Bereits Anfang August fanden westlich der Radebergerstraße in Aschheim archäologische Ausgrabungen im Vorfeld der Bauerschließung statt. Gerechnet wurde hier mit Siedlungsspuren aus dem frühen Mittelalter (5.-8. Jahrhundert). Es kam allerdings ein wenig anders: neben ein paar Pfostengruben und der Spur eines flachen Grabens fanden sich sechs Körpergräber aus der Zeit des 4. Jahrhunderts. Aus dieser spätrömischen Zeit sind bislang in Aschheim nur spärliche Funde bekannt, weshalb die Gräber eine echte Bereicherung darstellen. Es handelt sich um Männer und Frauen, die auf dem bereits 2006 am Heimstettner Weg ausgegrabenen Landgut gelebt haben könnten. Unter diesen Gräbern befand sich auch dasjenige des hier gezeigten Mannes, der eine ungewöhnliche Totenbehandlung erfahren hatte. So war sein Grab wohl kurz nach der Bestattung noch einmal geöffnet, sein Schädel vom Hals getrennt und auf den Bauch gelegt worden. Eine Enthauptung zu Lebzeiten scheint aufgrund der fehlenden Hackspuren an den Wirbeln eher unwahrscheinlich, ist aber momentan noch nicht ganz auszuschließen. Ursprünglich besaß der Herr einen Umhang, der auf der Schulter mit einer bronzenen Fibel verschlossen war und einen Gürtel mit bronzener Schnalle. Die Fibel fand sich allerdings zwischen seinen Beinen (Foto) und seine Gürtelschnalle zu den Füßen. Weiterhin war dem Toten eine Katze oder ein kleiner Hund in die Grabgrube gelegt worden. Eine solche Totenbehandlung ist für die spätrömische Zeit unüblich und gibt momentan noch einige Rätsel auf.

 

Fundstück für den Monat Juli: Die Dornacher Gemeindemedaille

Vor 40 Jahren kam Dornach zu Aschheim. Vormals eine eigenständige Gemeinde, hatte Dornach bereits 1937 seinen Ortsteil Riem an München verloren, da die Stadt ihn im Zuge des Flughafenbaus beanspruchte. In den 1970er Jahren beschloss die Staatsregierung eine Gebietsreform um größere und effektivere Verwaltungsstrukturen zu schaffen. Ein Teil dieser Maßnahme war die Zusammenlegung kleinerer Gemeinden zu größeren Einheiten. Zunächst war dabei angedacht Dornach nach München einzugemeinden, was heftigen Widerstand auslöste. Schließlich wollte Dornach ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf bleiben und nicht in die städtische Entwicklung einbezogen werden, wie sein ehemaliger Ortsteil Riem.  Als weitere Lösung diskutierte man die Zusammenlegung mit Aschheim. Doch freiwillig wollten die Dornacher ihre Selbstständigkeit nicht aufgeben und wehrten sich auch mit juristischen Mitteln. Dennoch ordnete die Staatsregierung am 1.Mai 1978 die Zusammenlegung mit Aschheim an. Als Ausdruck der Enttäuschung über diesen Vorgang ließ die Gemeinde Dornach für jeden ihrer Bürger eine solche Medaille prägen und verteilte sie an alle Haushalte. Im Rahmen des 40 jährigen Jubiläums dieses Ereignisses ist eine Medaille nun auch im AschheiMuseum zu sehen.
Schlecht erging es den Dornachern jedoch bei Aschheim nicht - in einem freiwillig geschlossenen Eingemeindungsvertrag machte Aschheim ihnen weitgehende Zugeständnisse, so durften sie ihren Ortsnamen, das Bürgerhaus, die dörfliche Struktur sowie die Feuerwehr und die Sportvereine behalten.

 

Fundstück für den Monat Juni: Ein geflicktes Kesselchen

Dieser kleine, nur etwa 13 cm hohe Kessel, fand sich in der Verfüllung eines frührömischen Brunnens an der heutigen Akazienstraße. Er wurde 2006 bei Ausgrabungsarbeiten im Vorfeld der Errichtung heute hier stehender Häuser gefunden. Der Brunnen gehörte zum Außenbereich eines römischen Landgutes, das sich vermutlich im Bereich der heutigen Hofstattstraße befand. Da im Norden von Aschheim das Grundwasser bis in die 1920er Jahre sehr hoch und der Brunnen recht lehmig verfüllt war, konnten sich einige Hölzer seiner Kastenkonstruktion erhalten. Mithilfe der Jahrringdatierung  dieser Hölzer zeigte sich der Zeitpunkt seiner Errichtung etwa um 30 n. Chr.  womit er zu den ältesten Spuren der römischen Zeit aus dem Aschheimer Raum gehört. Das Kesselchen war aus Bronze getrieben und besaß zwei Attaschen um einen Henkel zu befestigen.  Eigentlich bevorzugten die Römer zu dieser Zeit gegossenes Bronzegeschirr. Ein getriebenes Kesselchen dürfte daher eher für die Herstellung in einem einheimisch-keltischen Umfeld sprechen und liefert damit einen Hinweis auf das Fortbestehen eben dieser Bevölkerung unter dem neuen, römischen Kultureinfluss. Zahlreiche Flickstellen am Boden des Kesselchens bezeugen eine lange Nutzung des wohl geschätzten Gefäßes. Eine der beide Attaschen war abgerissen – vielleicht war dies der Grund, warum es im Brunnen landete: Beim Wasserschöpfen riss der Henkel und das Kesselchen war im Brunnen verloren.
 

Fundstück für den Monat Mai: Ein Lunulaanhänger aus der Kupferzeit

Er ist klein und etwas unscheinbar und doch steckt hinter unserem etwa 3 cm langen Anhänger vermutlich eine tiefe Symbolik. Leider begreifen wir sie bislang noch nicht wirklich. Der Anhänger wurde aus Geweih gefertigt, trägt fein geritzte Strichmuster und ist mittig durchbohrt. Den Abnutzungserscheinungen im Bohrloch zufolge wurde er wie ein Bügel oder Knebel getragen. Er fand sich im Grab einer Frau, die um 2500 v. Chr. etwas südlich der Geothermieanlage in Aschheim beerdigt worden war und ihn vermutlich als Amulett um den Hals getragen hatte. Man nennt diese Anhänger aufgrund ihrer Halbmondform heute gerne „Lunula“ Anhänger (nach lateinisch Luna= Mond bzw. lunula=kleiner Mond) obwohl völlig unklar ist, ob hier der Mond in irgendeiner Weise eine Rolle spielte.
Der verstorbenen Frau vom Ende der Jungsteinzeit – als man bereits Kupferwerkzeuge und –schmuck herstellte – war noch ein typischer, stark geschwungener  Becher mitgegeben worden. Diese Becher gaben einer speziellen Gruppe ihren Namen, zu der auch unsere Frau gehörte: die so genannten „Glockenbecherleute“. Diese Gruppe fällt durch etwas andere Bestattungsgewohnheiten als die übrigen und die Beigabe dieser typischen Becher auf. Besonders dabei ist, dass man dieses Phänomen um 2500 v. Chr. nahezu in ganz Europa fassen kann. Vielleicht eine erste gesamteuropäische Glaubensgemeinschaft?
 

Fundstück für den Monat April: Zwei keltische Gräber aus Dornach

Als Fahrradfahrer ärgert man sich im Moment ein wenig über den gesperrten Pointweg in Dornach – doch der Straßenausbau hat auch wieder hervorragende Neuigkeiten ans Licht befördert. Bei den baubegleitenden archäologischen Ausgrabungen konnten zwei Brunnenschächte und zwei Gräber aus der keltischen Zeit, genauer aus der so genannten mittleren Latènezeit um 350-250 v. Chr. geborgen werden. Bei den Gräbern handelt es sich vermutlich um einen Mann und eine gut ausgestattete Frau, die hier im Bild gezeigt wird. Sie trug einen größeren, sehr gut gearbeiteten Bronzearming am linken Ellbogen und je einen Eisenring an beiden Handgelenken. Im Hüftbereich hielt eine geschmackvoll gestaltete Bronzefibel einen Teil ihrer Kleidung zusammen, während um das Becken eine eiserne Gürtelkette vermutlich ihr Kleid gürtete. Jene Kette bestand aus mehreren, ineinander geschmiedeten Achterkettengliedern und muss ursprünglich – silberfarben glänzend – sehr edel ausgesehen haben. Ganz ähnliche Grabausstattungen der gleichen Zeitstellung waren bereits 1999 im Bereich des heutigen Brunnenwegs und 1994 im Bereich des Dornacher Gewerbegebiets gefunden worden. Diese kleinen Bestattungsgruppen scheinen jeweils mit einer Häusergruppe oder einer Art Weiler zusammen zu hängen. Die beiden Toten vom Pointweg könnten gut in den Häusern gelebt haben, die 2012 im südlich gelegenen Feld, dem heutigen Kernweg, gefunden wurden. Ob diese Gehöfte in keltischer Zeit nun eine zusammenhängende Siedlung bildeten, ist nicht ganz klar. Sicher ist aber, dass die Kelten hier keinen gemeinsam genutzten Friedhof anlegten.
 

Fundstück für den Monat März: Ein Vollgriffschwert

Er staunte nicht schlecht, der Baggerfahrer, der beim Einbauen des Frostschutzkieses in der Blombergstraße das halbierte Schwert aus dem Boden zog. So hätte diese Preziose aus der späten Bronzezeit (ca. 1200-800 v. Chr.) eigentlich nicht geborgen werden dürften – aufgrund der Halbierung und der Brandspuren stammte es sicher einmal aus einem Grab. In der späten Bronzezeit verbrannten die Menschen ihre Toten, lasen aus der Asche die Knochenreste aus und gaben diese, in einer Urne gesammelt in ein Erdgrab. Die Gräber hochrangiger Verstorbener wurden zudem überhügelt, um sie besonders hervorzuheben. Ein näherer Blick auf das Schwert, bringt die fein gearbeiteten, harmonisch gestalteten geometrischen Muster ans Licht, die den gesamten, komplett aus Bronze gegossenen Griff einnehmen. Zweifellos war es ein wertvolles Stück, das ein Verstorbener der damaligen High Society mit auf den Scheiterhaufen bekommen hatte. Vorher war es jedoch zerbrochen worden, vermutlich, damit es nur von den Toten, aber nicht mehr von den Lebenden genutzt werden konnte. Vom Totenfeuer leicht verschmolzen, war es vermutlich neben die Urne gelegt worden. Doch in einem Grab fanden es die Archäologen nicht, sondern leider nur im Kies, der  aus dem Bereich der Fahrradunterführung zwischen Aschheim und Feldkirchen stammte. Hier fanden zwischen 2001/2002 keine archäologischen Untersuchungen statt. Ein Fehler, wie sich zeigt – zeugt doch das Schwert davon, dass hier ein besonderes Grab für immer verloren ging.
 

Fundstück für den Monat Februar: Ein Feuersteindolch

Gefertigt aus einem gut ausgesuchten Stück Plattenhornstein – oder Feuerstein, wie man auch dazu sagt – handelt es sich bei diesem Dolch um ein Meisterwerk steinzeitlicher Handwerkskunst. Für die Herstellung des Dolches wurde das passende Stück Feuerstein, das aus der Nähe von Landshut stammt, zunächst mit gezielten Schlägen grob in Form gebracht. Dann drückte der Steinschläger in Feinarbeit all die kleinen Kerben heraus, damit der Dolch seine jetzige Gestalt und seine feine, gegenständig gearbeitete Zähnung an den Schneiden erhielt. Setzt man bei dieser Feinarbeit sein Werkzeug – einen kleinen Drücker aus Geweih – nur einmal falsch an, ist der ganze Dolch nur noch Abfall. Nach gelungener Retusche, wie das feine Herausdrücken auch genannt wird, schliff man die flachen Seiten des Dolches ab, an denen sich noch Reste von Kalksinter der Oberfläche des Steins befanden. Ursprünglich war er einmal in einem Geweih- oder Holzgriff mit Hilfe von Birkenpech eingeklebt, so wie im zweiten Bild, an einer Replik zu sehen.
Unser Dolch stammt aus einem Grab vom Ende der Jungsteinzeit – aus der Zeit der so genannten Schnurkeramischen Kultur, die etwa zwischen 2600 und 2300 v. Chr. datiert. Ihren Namen verdankt diese Gruppe der Verzierungen ihrer Keramik durch Schnureindrücke.
Das Grab war 2008 während der archäologischen Arbeiten an der Aschheimer Ostumfahrung gefunden worden.